Ist der Hype beim Unternehmensverkauf im Systemhaus-Bereich vorbei?

Viele Inhaber von Systemhäusern fragen sich derzeit, ob der Hype beim Unternehmensverkauf im Systemhausbereich bereits vorbei ist, oder der Peak noch gar nicht erreicht ist!?

In den vergangenen 12 Monaten wurden so ziemlich alle Systemhäuser mehrfach angeschrieben mit der Behauptung, es gäbe einen konkreten Interessenten für ihr Haus. Meist war dies eher eine Scheinbehauptung, um das Interesse am Unternehmensverkauf erst zu wecken. Meist wurde dann nichts aus dem Verkauf, da es ja keinen konkreten Interessenten gab. Deshalb fragen sich viele Unternehmer jetzt: war´s das? Ist der Hype vorbei? Kommt da noch was?

Die Antwort ist: Jein!

Was heißt Jein? Jein heißt, dass die erste Akquisitionswelle in der Tat bei den meisten Unternehmen vorüber ist! Aber die gute Nachricht ist: eine zweite Welle wird kommen.

Warum ist die erste Welle vorüber? Nun ja, die letzte Akquisitionswelle war dominiert von institutionellen Käufern, also Private-Equity-Häusern bzw. M&A-Agenturen, die den Markt großflächig angeschrieben haben und bereits etliche Akquisitionen getätigt haben. Dazu muss man wissen, dass diese M&A-Agenturen von Ihren Geldgebern eine Regel in Ihr Pflichtenheft geschrieben bekommen haben. Diese heißt: eine Akquisition darf nicht teurer sein als die Summe der bisherigen Akquisitionen. Somit haben die Agenturen klein angefangen, sagen wir beispielsweise mit 500 tsd €uro für die erst Akquisition. Die zweite durfte dann ebenfalls nur 500 tsd € betragen; die dritte dann 1 Mio, die vierte 2 Mio und so weiter und so fort. Nach 2 bis 3 Jahren Aktivität am Markt sind diese Häuser somit mittlerweile bei einer Dealgröße von 5 bis 10 Mio Euro angekommen.

Da der Akquisitionsprozess für ein kleines Haus fast den gleichen Aufwand generiert, wie die Akquisition eines großen Hauses, werden die kleineren Objekte deshalb nicht mehr so gerne genommen, wie die größeren Objekte. Der Wachstumsdruck, der von den Geldgebern auf die Akquisitions-Agenturen ausgeübt wird, führt also dazu, dass aktuell eher die Häuser zwischen 5 und 10 Mio (oder auch gerne größer) in den Fokus gerückt sind. Kleinere Häuser sind da eher uninteressant geworden.

Das bedeutet im Klartext, dass die Akquisitionswelle der institutionellen Investoren tatsächlich an den Häusern bis 5 Mio €uro Umsatz bzw. Dealvolumen vorüber gegangen ist.

Die gute Nachricht ist: es kommt eine zweite Welle! Da die kleineren Häuser nun nicht mehr im Fokus der M&A-Agenturen sind, sind diese Häuser nun wieder „frei“ und verfügbar für die klassischen Interessenten im Markt, die großen Systemhäuser. Diese suchen ja ebenfalls Akquisitionsobjekte und zwar bereits schon deutlich länger, als die M&A-Agenturen auf die IT-Branche aufmerksam geworden sind.

Das schlechte dabei allerdings ist: diese Käufergruppe ist preislich deutlich sensibler als die institutionellen Investoren. Wenn ein großes Systemhaus ein kleineres übernimmt, wenden diese bei der Preisberechnung eine andere Rechenlogik an und erstellen einen anderen Business-Case als die Private-Equity-Häuser. Das liegt daran, dass die Systemhäuser mit den akquirierten Objekten ja auf lange Sicht im operativen Geschäft Geld verdienen müssen, wo hingegen die institutionellen Investoren den Mehrerlös beim geplanten Wiederverkauf mit in die Kalkulation einfließen lassen und damit deutlich höhere Preis zahlen als die strategischen Investoren.

Das bedeutet im Klartext, dass die attraktive Welle der Akquisitionen über Private-Equity-Unternehmen bereits weitestgehend vorüber ist (zumindest für die Häuser unterhalb der 5 Mio €uro Umsatz), dass die nächste Welle der Akquisiteure aber bereits vor der Tür steht. Diese sind jedoch preislich deutlich sensibler. Für die Häuser jenseits der 5 Mio €uro Umsatz, besser noch größer 10 Mio €uro Umsatz, beginnt jetzt erst so richtig die Akquisitionswelle. Hier sind in den nächsten 2 bis 3 Jahren noch etliche Transaktionen zu erwarten.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Tipps ein paar Hinweise gegeben zu haben, wie Sie sich im M&A-Umfeld erfolgreich bewegen können.

Bei weiteren Fragen oder wenn Sie Unterstützungsbedarf haben, sprechen Sie uns einfach an, wir beraten Sie sehr gerne.